Struktur

Der Aspekt Struktur hat einen sehr langfristigen und starken Einfluss auf das Gelinge des Projektes. Er beeinflusst sowohl die Entwicklung von Individuen und Gemeinschaft, wie auch das Erreichen des Zieles sehr stark.

Entscheidungsstrukturen

Entscheidungsstrukturen, die darin unterstützen, die kollektive Weisheit der Gruppe zu entfalten, sind gefragt. Sie sollten es allen ermöglichen, an der Entscheidung teilzuhaben, ihre Argumente einzubringen. Kompetenz sollte gewürdigt ewrden, und dennoch sollten auch die Neuen und Stillen eine Chance haben, ihre Sichtweisen einzubringen. Und es sollte nach Entscheidungen gestrebt werden, die alle mittragen können, und die niemanden aus der Gruppe herausdrängen.

Viele Gemeinschaftsprojekte entscheiden sich daher für Konsens oder konsensorientierte Entscheidungsverfahren. Eine interessante Abwandlung ist die Soziokratie, in der nach einem „Konsent“ aller Beteiligten gestrebt wird, einer Entscheidung, gegen die es keinen schwerwiegenden, sachlich begründeten Einwand gibt.

Aber die Entscheidung, wann ein Einwand schwerwiegend und sachlich begründet ist, ist auch nicht immer einfach zu treffen. So können durchaus Mehrheitsentscheidungen Sinn machen. Wenn eine Entscheidung nach dem Hören aller Argumente eine breite Mehrheit bekommt, kann man annehmen, dass keine schwerwiegenden sachlich begründeten Einwände vorlagen.

Struktur der Gruppentreffen, interne Kommunikation

Zum Themenkomplex Struktur gehört auch die Frage, wie Gruppentreffen ablaufen, wo die Grenzen der Gruppe sind, und die Gestaltung von Aufnahmen und Abschieden. Auch die Arbeitsorganisation und -verteilung und die Frage, wie die gruppeninterne Kommunikation (sowohl Gruppentreffen, wie schriftlicher und digitaler Informationsfluss) gestaltet werden, gehören zu den Strukturfragen.

Gerade Initiativen, die stark auf der Herzensverbindung von Menschen aufbauen, meinen oft, Struktur-Fragen vernachlässigen zu können. Dies kann eine ganze Weile gutgehen. Solange, bis der erste ernsthafte Konflikt auftritt, der sich nicht zur wirklichen Zufriedenheit aller lösen lässt, und das kommt unweigerlich früher oder später.

Wenn dann keine klare Struktur festgelegt wurde, wie in so einem Fall vorgegangen wird, dann kommt es zum Chaos. Meistens siegt dann die stärkere, oder die dreistere Person. Aber selten kommt es zu Lösungen, die der Ursprungsintention des Projektes entsprechen.

Rechtsform und Eigentum

Für gemeinschaftliche Wohn-, Arbeits- oder Lebensprojekte ist die Frage nach der passenden Rechtsform und des Eigentums eine essentielle Strukturfrage. Langfristig wird eine Gemeinschaft im Eigentum eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe nie eine wirkliche Gemeinschaft auf Augenhöhe sein. Denn die Verantwortungen, letztendlichen Rechte und Pflichten sind dann nicht auf Augenhöhe verteilt.

Es kann über viele Jahre ein gutes, gemeinschaftliches Miteinander zwischen Besitzern und Mietern auf einem Platz geben. Aber es gibt da eine klare, und erstmal unrevidierbare Rang-Hierarchie: Die Besitzer sind die, die langfristig die Konsequenzen dessen, was an dem Ort passiert, tragen. Daher kann das gemeinschaftliche Miteinander nicht wirklich gleichberechtigt sein. Es wäre nicht fair den Besitzern gegenüber. Nur wenn alle die Risiken und Chancen von dem, was an dem Ort langfristig geschieht, auch gemeinschaftlich tragen, dann kann sich eine Gemeinschaft von gleichberechtigten, selbstverantwortlichen Individuen entfalten.

Viele Projekte machen den Fehler, „erstmal“ als Einzelpersonen oder als Paar oder kleine Gruppe zu kaufen. Sie planen dann, das Projekt in einem späteren Schritt in eine Gemeinschaft zu überführen. Das kann manchmal gutgehen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es auch sehr viel öfters als man denkt zum Scheitern des Projektes führt. Daher ist es wichtig, solche Weichenstellungen von Anfang an zu vermeiden.

Daher ist eine der wenigen eindeutigen Regeln zum Aufbau von Gemeinschaftsprojekten: Wirklich gemeinschaftliche Projekte funktionieren nur, wenn die gesamte Gemeinschaft ähnliche Rechte an der Immobilie hat! In der Regel bedeutet das Besitz durch eine Gemeinschaftsorganisation oder eine Wohneigentümergemeinschaft.

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