Corona – ein mutmachender Rückblick aus 2024

Corona – ein Rückblick aus 2024 auf bewegende Zeiten

Eine mutmachende Re-Gnose1 von Eva Stützel, geschrieben im April 2020.

(Re-Gnose: Rückblick von einem Moment der Zukunft auf die Gegenwart)

Ich habe einen Traum. Ich sitze an einem sonnigen Tag April 2024 in einem Café in unserer Kreisstadt, genieße die Frühlingssonne, und lasse die Ereignisse der letzten 4 Jahre an mir vorbeiziehen. Unglaublich, was da geschehen ist. Hätte uns das jemand im Februar 2020 prognostiziert, niemand hätte so eine Entwicklung für möglich gehalten. Doch jetzt schauen wir zurück, auf diese seltsamen Wandel-Jahre, die ihren Impuls von einem winzig kleinen Virus bekamen.

Wir konnten hautnah miterleben, wie sich die Welt veränderte. Sagte nicht mal ein Chaos-Forscher, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in China einen Tornado in den USA auslösen könnte? Jetzt war es kein Schmetterling, sondern etwas noch viel kleineres, ein Virus, das von einem Tier zum Menschen übergegangen ist, in China – die Auswirkungen waren jedoch viel größer als die Auswirkungen eines Tornados in den USA!

Rückblick auf Corona-Wandel-Jahre

Im Jahr, 2020, vor 4 Jahren wurde erstmalig aus einer entlegenen Provinz in China berichtet, dass dort eine neuartige Form der Lungenentzündung aufgetreten war, und als Verursacher ein neues Virus, das später auf den Namen Sars-CoV-2 getauft wurde, identifiziert wurde.

In den ersten Wochen nahm kaum jemand Notiz von diesen Nachrichten, doch als das Virus Europa erreichte und sich exponentiell verbreitete, änderte sich innerhalb von wenigen Tagen alles. Auf einmal entdeckten politisch Verantwortliche auf der ganzen Welt, dass es etwas gibt, was wichtiger ist als Wirtschaftswachstum und Mobilität: die Gesundheit der Menschen, die Solidarität für die Schwachen. Sie hörten auf die Warnrufe der Wissenschaftler, die nicht müde wurden, zu erklären, dass es wichtig ist, bei exponentiellem Wachstum früh gegenzusteuern, weil es zu spät ist, wenn man es erst dann tut, wenn die Auswirkungen wirklich wehtun. In dieser Ausnahmesituation hat die Welt-Gesellschaft sich verändert – und sie hat einen Wandel initiiert, der nicht nur die Pandemie bewältigt hat, sondern sie konstruktiv genutzt hat, um auch die anderen welt-umspannenden Krisen anzugehen. Sie hat den Aufbruch in ein neues Zeitalter eingeläutet.

Wie ging’s weiter mit Corona?

Corona-Verlauf

Das CoViD19-Virus ist heute einfach ein Virus wie alle anderen auch. Zwar sind in der Corona-Krise in 2020 hunderttausende von Menschen gestorben, was schrecklich war – aber diese Zahl relativiert sich etwas, wenn man die Zahl der durch Corona (statistisch) verlorenen Lebensjahre betrachtet. Da die meisten der Toten über 80 waren, liegt die Zahl der „statistisch verlorenen Lebensjahre“ durch Corona deutlich niedriger als die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch Verkehrsunfälle in einem normalen Jahr. Schrecklich genug –  ca. 10 Jahre hat jede:r Corona-Tote im Schnitt durch die Krankheit verloren, und jeder Mensch, der vor seiner Zeit gestorben ist, ist einer zuviel! Inzwischen sind die Risikogruppen meist geimpft, und viele Menschen immunisiert, weil sie die Krankheit durchgemacht haben. CoViD19 hat seinen Schrecken verloren. Die Impfpflicht, vor der manche Sorge hatten, ist nie eingeführt worden.

Nachdem monatelang Schwerkranke und Alte isoliert wurden, und Beatmungen oft nur das Leiden verlängerten, entwickelte sich als Initiative vieler Älteren eine Gegenbewegung. Statt sich auf Pflegeheime und Krankenhausbetreuung mit Intensivmedizin zu verlassen, nahm die Zahl der Patientenverfügungen von Menschen über 80, die im Corona-Fall nur palliative Versorgung wollten, anstatt noch Leidensverlängerung und Schäden durch Beatmung zu riskieren, drastisch zu. Interessanterweise zeigte sich, dass von den Infizierten, die die Beatmung verweigerten, prozentual kaum mehr Menschen an CoVid19 starben als von den Intubierten.

Wirklich wirksame Strategien

Einfache Hygienemaßnahmen, Vermeiden von Menschenansammlungen und Mundschutze in Gedrängesituationen entpuppten sich als ebenso wirksame Maßnahme zur Minimierung der Ansteckungsrate wie der Lockdown der ersten Wochen und kostspielige Impfungen. Mundschutze waren schnell verfügbar, dank der Tatsache, dass viele Menschen und Kleinbetriebe anfingen, die verordnete Corona-Zwangspause zu nutzen, um wiederverwertbare wasch- und bügelbare Mundschutze zu nähen. Sie konnten schnell auch in ärmeren Ländern eingesetzt werden und verhalfen nicht Pharmafirmen, sondern Kleinbetrieben zu Umsätzen.

Der Einsatz dieser simplen Mittel begrenzte nicht nur die Corona-Infektionen, sondern gleichzeitig auch die anderer übertragbarer Krankheiten – ein Universaleffekt, den keine Impfung erreichen kann. So setzte ein Umdenken ein, ein Fokus auf einfache Schritte der Gesundheitsprävention, jenseits von den Machenschaften der Pharmaindustrie.

Corona in den ärmeren Ländern

Die befürchtete Lawine von CoronaTodesfällen in den ärmeren Ländern blieb aus, da die Gegenstrategie: „Hygiene fördern!“ in vielen Ländern wirklich gut funktionierte, und auch die wärmeren Temperaturen unterstützend wirkten. Was jahrelange Weltbank-Programme nicht geschafft haben, funktionierte nun dank des im Mai 2020 aufgestellten Pandemieplans in der Corona-Krise: Die Sicherstellung von zuverlässiger Wasserversorgung für einen Großteil der Weltbevölkerung. Dies trug zu einer erheblichen Verringerung der Sterblichkeit – auch durch andere Krankheiten und durch schlechtes Trinkwasser – bei, und verlangsamte die Ausbreitung und die Heftigkeit von Corona-Infektionen in den Ländern der Äquatorialzone. Glücklicherweise stellte sich auch heraus, dass sich das neuartige Corona-Virus in wärmeren Gegenden schlechter ausbreitet als in den gemäßigten Breiten. Die Erfahrung, dass es in der Corona-Krise viel effektiver war, sich auf die eigenen Erfahrungen mit Pandemien zu berufen, als die Maßnahmen der Individualisierten Länder zu kopieren, war der Anfang der sogenannten „zweiten Unabhängigkeitsbewegung.“ Während die USA und China sich weiter um die globale Vormacht stritten und endgültig an Glaubwürdigkeit in der Retterrolle verloren, wurden vor allem Graswurzel-Initiativen des Globalen Südens weltweit zu Vorbildern für vernetztes lokales und globales Handeln unter schwierigen Bedingungen.

In den letzten drei Jahren ist die Sterblichkeit in diesen Ländern dank der Corona-Krise und den damit verbundenen Maßnahmen zurückgegangen!

Gesundheitssystem

Aufgrund eines Datenlecks wurde deutlich, an welchen Stellen die Pharmafirmen versucht haben, in der Pandemie Einfluss zu nehmen auf die Lösungen, die ihre Profite hochtreiben, aber wenige Menschen retten – wie beispielsweise das vorschnelle Beatmen der Patienten. Die Verflechtungen der WHO mit Pharmafirmen und der ungesunde Einfluss der Bill- and Melinda-Gates-Stiftung wurden aufgedeckt. Die Empörung, dass eine Pandemie derart wirtschaftlich missbraucht wurde, sorgte in vielen Ländern für eine Änderung im Gesundheitssystem und für eine unabhängigere Weltgesundheitsorganisation.

Der Ruf vieler Pharmafirmen hat in der Aufarbeitung der Prozesse rund um den Umgang mit Corona berechtigterweise gelitten. Das Gesundheitswesen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen haben aber einen neuen, positiveren Stellenwert bekommen. Sie werden staatlicherseits jetzt ganz anders unterstützt. Menschen in Pflegeberufen haben ein hohes Ansehen und werden besser bezahlt. Das Verhältnis zwischen Pharma-Industrie, Wissenschaft und Staat hat sich wieder vom Kopf auf die Füße gestellt: Nicht die Pharma-Industrie bestimmt, wie Wissenschaft forscht und die Staaten handeln, sondern die Wissenschaft berät die Politik und die Politik weist die Pharma-Industrie in ihre Grenzen.

Wertewandel

Eine neue Priorität hat in 2020 die unterschiedlichsten Regierungen zum Ausrufen des Notstandes motiviert: Der Respekt vor dem Leben, die Unterstützung der Schwachen.

Auf einmal wurde in den politischen Entscheidungen menschliches Leben über das Brutto-Inlands-Produkt und das Wirtschaftswachstum gestellt.

Damit war die Büchse der Pandora geöffnet – und konnte nicht wieder geschlossen werden.

Solidarität, Menschlichkeit, soziale Verantwortung und eine neue Wir-Kultur prägen die Nach-Corona-Welt. Die Arbeit in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion, sowie die Arbeit im Gesundheits- und Pflegesektor wurden als „systemrelevant“ erkannt, und haben eine andere Wertschätzung erhalten.

Es wurde deutlich, dass für diese Werte auch vorher undenkbare Einschnitte in das gewohnte Leben der Wohlstandsbürger möglich sind – und so entwickelten sich bereits im Frühjahr 2020 ThinkTanks, die die älteren und deutlich menschen- und umwelt-gefährlicheren Themen „Klimawandel“ und „sozio-ökonomisches Ungleichgewicht auf der Welt“ vor dem Hinblick der Erkenntnisse der Corona-Krise ins öffentliche Bewusstsein brachten und neu diskutierten.

Ökologie und Klimawandel

Es gab die große Sorge, dass die Nach-Corona-Wirtschaftskrise dazu führen wird, dass Umweltauflagen weniger wichtig genommen werden – aber aufgrund von vielen wachsamen und engagierten Menschen an vielen verschiedenen entscheidenden Stellen hat sich diese Sorge nicht bewahrheitet.

Nachdem die ersten Corona-Schaden-Fördermittel noch mit der Gießkanne an alle ausgeschüttet wurden, und so insbesondere die großen, an Umweltzerstörung profitierenden Firmen gefördert wurden, setzte sich schnell die Erkenntnis durch, dass gerade in dieser einschneidenden Krise öffentliches Geld nur für wirklich zukunftsfähige Unternehmungen ausgegeben werden darf.

Wirtschaftsumbau

So wurden in den Sommermonaten 2020 die Richtlinien schrittweise geändert und die Ausschüttung von Corona-Hilfen an ein nachhaltiges Entwicklungskonzept für die jeweiligen Unternehmen gekoppelt. Und – nicht nur in den fördermittel-finanzierten Aktivitäten änderte sich etwas – manche Unternehmen begannen von sich aus im „Krise-als-Chance-Modus“, stärker ihr bisheriges Handeln und ihre Ausrichtung zu überdenken, und sich ein nachhaltiges Leitbild zu geben. Diese Unternehmen entwickelten sich besonders positiv, so entpuppte sich die Corona-Krise als ein Beschleunigungsmotor für eine Umstellung der Wirtschaft von Profitorientierung zu Nachhaltigkeitsorientierung.

Nachdem die politisch Verantwortlichen in der Corona-Krise zu drastischen Einschnitten in die Freiheiten der Menschen und die wirtschaftliche Entwicklung bereit waren, hielten sich die althergebrachten Argumente gegen CO2-Abgaben oder Tempolimit nach der Corona-Krise nicht mehr. Beim Suchen nach einem Weg, den nachhaltigen Neustart der Wirtschaft zu finanzieren, wurde eine Klima-Abgabe nahezu einhellig von allen Parteien länderübergreifend beschlossen, die einen Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit initiierte.

Gesellschaftliche und politische Auswirkungen

Die vielen Nachbarschaftshilfsaktionen während der Ausgangssperre haben eine neue Kultur des nachbarschaftlichen Miteinanders gestärkt. Plattformen wie nebenan.de sind in der Krisenzeit gewachsen, und sie boomen weiterhin. Mehr Gemeinschaftlichkeit prägt unseren Alltag.

Die blitzschnelle Ausbreitung des Virus war auch eine Konsequenz der Globalisierung. Jetzt ist ein neuer Trend festzustellen: Die Globalisierung im Sinne von einem Bewusstsein über unsere enge Verbundenheit auf der ganzen Welt und ein Austausch von Erfahrungen, z.B. auch im Umgang mit der Corona-Krise, wurde gestärkt, die Globalisierung im Sinne vom hemmungslosen Bewegen von Gütern und Menschen auf der ganzen Welt ist deutlich zurückgegangen.

Die Hyper-Globalisierung der ersten 2000er Jahre ist gestoppt, jetzt setzen wieder mehr Firmen auf lokale Produktion.  Und auch die Individuen haben die Nähe wiederentdeckt: Lebensmittel aus der eigenen Region, Urlaub in der Nähe, direkte Kontakte zu den direkten Nachbarn, haben durch die Corona-Krise an Wert gewonnen. „Glokalisierung“ ist das Wort für diese neue Art der Rückbesinnung auf die Nähe bei gleichzeitiger globaler Verbundenheit.

Es gibt eine stärkere Kultur der Kooperation, ein Wir-Gefühl zwischen Wildfremden, das Bewusstsein, gemeinsam durch eine schwere Zeit gegangen zu sein und zu gehen.

Demokratische Grundrechte in den meisten Ländern gestärkt

Die Einschränkungen der Freiheitsrechte, z.B. das Versammlungsverbot haben noch einmal ins Bewusstsein gerufen, wie wertvoll diese Rechte sind, Glücklicherweise sind sie in den meisten Ländern wirklich zeitnah wieder aufgehoben worden. Manche rechtspopulistischen Herrscher haben versucht, die Krise zu nutzen, um ihre Macht auszubauen und die Rechte der Bevölkerung zu beschneiden, glücklicherweise ist das in den meisten Ländern nach hinten losgegangen!

Trump, Bolsonaro, Orban, Lukaschenko und andere haben in der Corona-Krise ihre Macht verloren. Trump wurde, nachdem es in den USA immer deutlicher wurde, wie chaotisch sein Krisenmanagement ist, und dass zigtausende Corona-Tote hätten vermieden werden können, wenn er besonnener gehandelt hätte, nicht wiedergewählt. Bolsonaro wurde von seinen Kabinettsmitgliedern aus dem Amt gedrängt, als sein Versagen in der Corona-Krise immer offensichtlicher wurde.

Ungerechte Weltwirtschaft beginnt sich zu verändern

Die ersten Monate der Corona-Pandemie waren eine Zeit des Sterbens nicht nur von Corona-Kranken, sondern auch von Kleinbetrieben, kulturellen Initiativen und eine Zeit des Verhungerns in den ärmeren Ländern, weil die Aufträge aus den Industrieländern wegbrachen.

Doch inzwischen hat sich das gedreht: Langfristig hat die Bewältigung der Virus-Krise auch das sozioökonomische Ungleichgewicht auf der Welt verringert. Die wirtschaftliche Rezession hat die ehemals reichen Länder stärker getroffen – und die afrikanischen Länder sind von der Corona-Pandemie weniger stark getroffen worden.

Jetzt liegt es an der Umsetzung der neuen Strategien für einen nachhaltigen Umbau der Weltwirtschaft, neben der ökologischen Nachhaltigkeit auch eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und Mittel zu erreichen. Das ist noch eine große Baustelle, aber nach dem, was sich in diesen 4 Jahren schon verändert hat, scheint es möglich, dass dies gelingt!

Fazit

Ein nur mit dem Elektronenmikroskop sichtbares Virus hat alle Zukunftsprognosen der 10er Jahre auf den Kopf gestellt und der Welt einen neuen Impuls gegeben. Der Impuls war schmerzhaft, hunderttausende sind gestorben. Die Wirtschaft ist im Jahr 2020 um 20% eingebrochen und viele Menschen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen. Aber rückblickend hat der Impuls positive Auswirkungen gehabt.

Die Geschichte der Jahre 2020 bis 2024 zeigt, dass in Krisen das Potential für eine grundlegende Veränderung steckt. Der Ansatz zu einer positiven Entwicklung ist da, ein Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit ist in vollem Gange, wir haben die Nähe wiederentdeckt und sind uns der Verbundenheit mit allen Menschen auf diesem Planeten bewusst. Gerade noch rechtzeitig wurde dank dieses winzig kleinen Virus die Menschheit sich ihrer gemeinsamen Verantwortung für diesen Planeten bewusst – und es zeigte sich, dass die Menschheit in Krisen über sich hinauswachsen kann. Seitdem werden kreativ und verantwortungsvoll neue Wege beschritten. Es brauchte aber anscheinend diese Grenzerfahrung, um den Mut aufzubringen auch neue, ungewöhnliche Wege zu gehen!