Kompass für gemeinschaftliche Projektentwicklung

 

Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen,so ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“ (Don Helder Camara)

Wie schaffen es Menschen, gemeinsam ihre Träume umzusetzen?

Was braucht es, damit gemeinschaftliche Initiativen erfolgreich werden?

Der „Kompass für gemeinschaftliche Projektentwicklung“ gibt Antworten auf diese Fragen. Er baut dabei auf den Erfahrungen  der GründerInnen des Ökodorfs Sieben Linden  und ihrer langjährigen Tätigkeit als GemeinschaftsberaterInnen auf..

Sieben Aspekte

Der „Gemeinschaftskompass“ zeigt auf, dass es eine Aufmerksamkeit auf sieben Aspekte braucht, um gemeinschaftliche Projekte erfolgreich zu realisieren:

Individuen: Raum für Individuen und Bewusstsein für persönliche Weiterentwicklung.

Gemeinschaft: Bewusste Pflege des Miteinanders.

Intention: gemeinsame Ausrichtung.

Struktur: Strukturen, die zu Zielen und Werten passen.

Arbeit: Sinnvolle Arbeitsorganisation, Kompetenz und Engagement für die Aufgaben.

Ernte: Auswerten von Erfahrungen, Feiern, Wertschätzen.

Gesellschaft: Kooperationen und achtungsvollen Umgang mit anderen gesellschaftlichen Akteuren.

Die Kernaussage des „Kompass für gemeinschaftliche Projektentwicklung“ ist, dass erfolgreiche gemeinschaftliche Projekte Aufmerksamkeit, Kompetenz und bewusste Weiterentwicklung in all diesen sieben Aspekten brauchen.

 

Was ist anders als in anderen Projektmanagement-Ansätzen?

Die vier Aspekte Intention, Struktur, Arbeit, Ernte finden sich mit unterschiedlichsten Namen und  Abgrenzungen in vielen Ansätzen zur Organisationsentwicklung. Ich nenne die Ebene, auf der sich diese vier Aspekte befinden, die „Projektebene“. Hier findet das übliche „Projektmanagement“ statt. Meine Gliederung ist dabei stark inspiriert von der ganzheitlichen Projektplanungsmethode Dragon Dreaming.

Der Kompass geht aber weiter, denn er integriert noch andere Handlungsebenen und bringt so die Aspekte Individuen, Gemeinschaft und Gesellschaft dazu. Damit richtet er den Fokus auf Aspekte, die im klassischen Projektmanagement oft vergessen werden, und auf der anderen Seite in anderen Ansätzen (zum Beispiel Deep Democracy) vertieft werden. Selten werden jedoch alle notwendigen Aspekte gleichzeitig betrachtet. All diese Aspekte gleichzeitig zu betrachten, ist unserer Erfahrung nach aber der entscheidene Schlüssel zum Erfolg, insbesondere für Projekte des zivilgesellschaftlichen Engagements, in denen Menschen nicht durch äußere Strukturen wie Arbeitsverträge an die Projekte gebunden sind.

Die Dualität der Individuen in der Gemeinschaft

ist dabei das zentrale Element des Kompass. Wenn es gelingt, dafür Sorge zu tragen, dass die Individuen sich in der Gemeinschaft getragen fühlen und die Gemeinschaft und das Projekt tragen, dann wird das Projekt erfolgreich.

Und eine funktionierende Gemeinschaft braucht Individuen, die selbstverantwortlich und bewusst handeln. Es braucht Individuen, die in gutem Kontakt mit sich selber und mit der Gemeinschaft sind, die Verantwortung für sich und das Projekt übernehmen.  Nur dann kann diese Dualität auf Dauer zur Blüte kommen. Wenn auf dieser Ebene Schwächen sind, schlägt es sofort auf alle anderen Ebenen zurück.

Umgekehrt haben aber auch Schwächen in der „Projektebene“ (Intention, Struktur, Arbeit, Ernte) einen starken Einfluss nicht nur auf das „Projekt“ selber, sondern auch auf Gemeinschaft und die Individuen in der Gemeinschaft. Unklarheit in der gemeinsamen Intention oder in der Struktur, mangelnde Kompetenz für die Arbeiten die anstehen, ein Versäumen der „Ernte“ wirkt jeweils sehr stark auf die Individuen und das Gemeinschaftsgefühl zurück. Denn dadurch entfernt sich die Gemeinschaft von der Essenz ihres Zusammenhalts.

Die gegenseitige Beeinflussung von Struktur und Gemeinschaft / Individuen

wird in vielen anderen Ansätzen vernachlässigt. Die meisten Projektberater*innen sind entweder Spezialisten im Bereich „Gemeinschaftsbildung“ / „Gemeinschaft und Individuen“ oder sie fokussieren sich eher als Unternehmensberater*innen und konzentrieren sich auf die Fakten und Strukturen. Die Realität von gemeinschaftlichen Projekten ist, dass die gewählten Strukturen langfristig einen starken Einfluss auch auf den Bereich „Gemeinschaft“ und „Individuen“ haben. Umgekehrt hat auch die Kultur des Miteinanders einen wichtigen Einfluss auf die Struktur. Daher ist ein besonderer Fokus meiner Arbeit, Gruppen darin zu unterstützen, die für sie passenden Strukturen (Rechtsformen, Eigentumsformen, Entscheidungsmodell, Organisationsstruktur) zu entwickeln, aber auch eine Gemeinschaftskultur aufzubauen, in der Raum für Individuen und Gemeinschaft ist.