Projektgründung mit dem Kompass

Aus dem Kompass können leicht Schritte abgeleitet werden, wie eine sinnvolle Herangehensweise für eine Projektgründung ist. Eine sinnvolle Reihenfolge für den Ablauf einer Gemeinschaftsgründung ist es, von den Individuen über die Gemeinschaft zu Intention, Struktur, Arbeit und Ernte zu gehen, und in allen Phasen stets sowohl die Gemeinschaft wie die Gesellschaft im Blick zu behalten.

Jede Initiative beginnt als der Traum eines Einzelnen. Das zu würdigen, und sich der ganz individuellen Motivationen bewusst zu werden, ist ein wesentlicher Schritt. Dann folgt der Moment, in dem wir diesen Traum mit einer ersten Gruppe teilen. Hier kommt der Aspekt „Gemeinschaft“ mit ins Spiel. Die Gemeinschaftskultur der Gründungsgruppe wird die Gemeinschaft des Projektes maßgeblich präge. Daher ist es in dieser Phase ganz besonders wichtig, die Gemeinschaftskultur aktiv aufzubauen und zu pflegen. Der nächste Schritt ist die Klärung der geteilten Intention – wo will die Gruppe wirklich hin? Dies ist gleichzeitig auch ein sehr wichtiger Schritt in der Gemeinschaftsentwicklung. Zu diesem Zeitpunkt kommt erstmalig auch ein bewusstes Einbeziehen des Aspektes „Gesellschaft“ hinzu, der in allen folgenden Phasen mit-bedacht werden sollte. Wie positioniert sich das Projekt in der Gesellschaft? Welche Bündnispartner und Unterstützer gibt es? Welche potentiellen Skeptiker*innen, und wie können diese mit ins Boot geholt werden?

Als nächstes muss eine passende Struktur entwickelt werden. Dazu gehört es, die richtigen Menschen an die richtigen Positionen zu setzen, Unterschiede wertzuschätzen und eine passende Entscheidungs- und Organisationsstruktur aufzubauen. Auch bei der Struktur-Entwicklung gilt es stets den Fokus sowohl auf die „Gemeinschaft“ wie auf die „Gesellschaft“ zu halten. Die gesellschaftlichen Strukturen (Gesetze, Rechtsformen) werden in Konfliktfällen einen starken Einfluss auf die Gemeinschaft haben, daher ist es wichtig, die adäquaten Strukturen zu entwickeln, die auch dann noch der Intention dienen, wenn es keinen Konsens der Beteiligten mehr gibt.So haben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Wahl der adäquaten Rechtsform und Organisationsstruktur einen entscheidenden Einfluss auf die Gemeinschaft. Und umgekehrt hat die Gemeinschaftskultur, die Art der Kommunikation und des Umgangs mit Herausforderungen einen entscheidenden Einfluss auf die gelebte Struktur.

Mit all dieser Vorarbeit kann dann die „eigentliche Arbeit“ angegangen werden. Die Suche nach dem passenden Objekt, weiteren Mitstreiter*innen, Verhandlungen mit Politik und Verwaltung, Aktionen. Auch der Blick auf die ganz konkreten eigenen Finanzen und Finanzierungsmöglichkeiten gehört dazu.  Hier begegnet das Projekt der äußeren Realität, der Welt, dieser Aspekt ist sehr stark verknüpft mit dem Aspekt „Gesellschaft“.

Die eigentliche Realisierungsphase eines Projektes ist schon ein erster Aspekt der Ernte: Hier werden die Früchte der Vorbereitungsarbeit geerntet. Der „Ernte-Aspekt“ des Innehaltens und der gegenseitigen Wertschätzung sollte allerdings nicht nur in dieser Phase beachtet werden, sondern sollte bis zur Realisierung ein Bestandteil der regelmäßigen Gruppenkultur geworden sein. Und ihm gebührt in der Realisierungsphase trotzdem nochmal besondere Aufmerksamkeit. Oft brennen sich in der Realisierungsphase einige wenige Menschen mit Schlüsselrollen schnell aus. Diese Menschen zu unterstützen, ihnen Wertschätzung und Anerkennung zu geben, ist auch ein wesentlicher Aspekt von erfolgreicher gemeinschaftlicher Projektentwicklung.

Einen ausführlichen Artikel zur Projektgründung mit dem Kompass finden Sie unter „Angebote – Ressourcen – Projektgründung“.

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